Der Schuldenberg der Vereinigten Staaten wächst seit Jahren mit hohem Tempo. Innerhalb von gut anderthalb Jahrzehnten hat sich die gesamte ausstehende US-Staatsverschuldung grob mehr als verdreifacht — und das ist ein Thema, das ich als Anleger nicht ignorieren will, auch wenn ich langfristig und ruhig investiere.
Quelle: U.S. Treasury, Historical Debt Outstanding — das Finanzministerium veröffentlicht die Entwicklung fortlaufend.
Warum das für mich kein Nebenthema ist
Höhere Schulden bedeuten langfristig einen größeren Zinsaufwand für den amerikanischen Staat. Wenn Investoren für neue US-Staatsanleihen höhere Renditen verlangen, kann das auf die Finanzierungskosten der gesamten Wirtschaft durchschlagen — für Unternehmen, für Immobilienkäufer und am Ende auch für Aktienbewertungen. Das ist kein Szenario für nächste Woche, aber ein struktureller Trend, den ich im Hinterkopf behalte, wenn ich über die Gewichtung meines Depots nachdenke.
Trotzdem gilt: Aus einem wachsenden Schuldenberg automatisch ein Krisenszenario oder einen unmittelbaren Ausstieg aus amerikanischen Anlagen abzuleiten, wäre falsch. Die USA verfügen weiterhin über den weltweit größten und liquidesten Kapitalmarkt, über viele führende Unternehmen und über den US-Dollar als zentrale Reservewährung. Ein Risiko ist nicht dasselbe wie ein kurzfristiger Auslöser für einen Markteinbruch.
Der blinde Fleck bei vielen ETF-Depots
Für mich als Anleger ist der Blick auf die eigene Aufstellung entscheidender als jede Schuldenstatistik. Wer über einen klassischen MSCI-World-ETF investiert, ist häufig stärker in den USA engagiert, als es auf den ersten Blick erscheint — der Index besteht mittlerweile zu über 70 % aus US-Aktien. Das kann sinnvoll sein, erhöht aber auch die Abhängigkeit von der Entwicklung des Dollars, der US-Zinsen und der amerikanischen Haushaltspolitik in einem Ausmaß, das vielen gar nicht bewusst ist.
Wie ich das in meinem eigenen Depot handhabe
Genau aus diesem Grund halte ich in meinem 100k-Referenzdepot die USA bewusst bei rund 33 % statt bei den über 70 %, die ein reiner Weltindex mittlerweile mitbringt. Europa, Asien und Schwellenländer bekommen mit je 11 % ein echtes Stimmrecht. Das ist keine Wette gegen die USA — sondern der Versuch, nicht von einer einzigen Volkswirtschaft, einer Währung und einer Haushaltspolitik abhängig zu sein.
Diversifizieren statt verkaufen
Die naheliegende Handlungsalternative lautet für mich nicht: alles verkaufen. Sie lautet: breit diversifizieren, und zwar bevor es drängt. Ein paar Punkte, die ich mir regelmäßig selbst vorhalte:
- Prüfen, wie hoch der tatsächliche US-Anteil im eigenen Depot ist — nicht schätzen, sondern nachrechnen.
- Aktien aus verschiedenen Regionen und Anlageklassen mischen, statt auf eine einzelne Wette zu setzen.
- Eine angemessene Liquiditätsreserve halten, die unabhängig vom Dollar funktioniert.
- Eine realistische Risikostruktur pflegen, die auch einen schwächeren Dollar oder steigende US-Zinsen verkraftet.
- Keine Torschlusspanik: Umschichten ist eine Entscheidung mit Plan, kein Reflex auf eine Nachrichtenlage.
Ein Gedanke, den ich weiterverfolge: Eine Beimischung außerhalb des Euro- und Dollarraums halte ich für überlegenswert. Der Schweizer Franken gilt vielen Anlegern als vergleichsweise stabile Währung — ein CHF-Konto, Schweizer Anleihen oder Anlagen mit Schweizer-Franken-Bezug können eine mögliche Ergänzung sein. Ich habe das aktuell noch nicht in meinem Referenzdepot umgesetzt, behalte es aber im Blick. Auch der Franken schwankt, und eine Währungsanlage ersetzt keine durchdachte Gesamtstrategie — sie ist höchstens ein Baustein davon.
Mein Fazit
Der schnell gewachsene US-Schuldenberg verdient Aufmerksamkeit, aber keine Panik. Wer langfristig investiert, sollte regelmäßig prüfen, wie stark das eigene Vermögen von den USA und dem Dollar abhängt — genau das mache ich mit meiner bewussten Regionen-Gewichtung. Ein zusätzlicher Blick in Richtung Schweizer Franken kann dabei eine sinnvolle Überlegung sein, ist bei mir aber (noch) kein fester Baustein.