Heidi und Andi an einem langen Sommerabend in Timmernabben
Roadtrip · Schweden · Sommer 2025

Zwischen Schären, Bullerbü und Stellplätzen am Meer

17 Tage mit dem Camper durch Südschweden – immer der Küste, dem Licht und unserer Neugier nach.

Zwei Fahrräder am Heck, genug Zeit im Kalender und vor uns eine Küste, die nie so richtig geradeaus verläuft: Unsere Schweden-Tour 2025 war keine Reise zum Abhaken. Sie war ein Roadtrip aus Fähren, kleinen Häfen, roten Holzhäusern, Stellplätzen am Wasser und diesen langen nordischen Abenden, an denen man einfach noch ein bisschen draußen sitzen bleibt.

17
Tage unterwegs im Norden
2
Fahrräder für Stadt und Küste
1
Camper als Zuhause auf Rädern
🧭
Viele Stopps zwischen Meer und Astrid Lindgren

Unser Plan war bewusst einfach: vom Münchner Norden nach oben, über Puttgarden und Rødby nach Schweden, dann der Küste und der eigenen Neugier folgen. Manche Nächte verbrachten wir auf komfortablen Campingplätzen, andere auf einfachen Stellplätzen – manchmal direkt am Wasser, manchmal dort, wo der Tag eben endete. Genau diese Mischung machte die Tour aus.

Fotokarte der Schwedenreise mit Stationen in Südschweden und Dänemark
Unsere Schleife durch Südschweden: von der Ostküste über Öland und Vimmerby bis Göteborg – und über Malmö, Kopenhagen und die Lüneburger Heide wieder nach Hause.

17.–19. Juli: Losfahren, bis der Norden beginnt

Am Donnerstag, 17. Juli, ging es gegen Mittag los. Nicht spektakulär früh, nicht mit einem bis zur letzten Minute durchgetakteten Etappenplan – sondern so, wie ein Roadtrip mit dem Camper beginnen sollte: einsteigen, Tür zu, los. Der erste Tag brachte uns bis in die Nähe von Göttingen. Übernachtet wurde auf einem freien Parkplatz an einem See, gleich bei einem Sportgelände. Kein Postkartenmotiv, aber ein unkomplizierter erster Abend und damit der perfekte Übergang vom Alltag in den Reisemodus.

Erster Reisetag im Camper mit Heidi
Tag 1: Einrichten, losrollen, ankommen – unser erster Abend unterwegs.
Camper auf der Fähre von Puttgarden nach Rødby
Tag 2: Puttgarden, Fähre, Rødby – und endlich skandinavisches Licht.

Am nächsten Morgen führte die Route weiter nach Puttgarden. Der Camper passte in der Fähre gerade so in seine Spur, die Fahrräder hingen am Heck, und auf dem Außendeck war zum ersten Mal dieses ganz eigene Gefühl da: Jetzt liegt Deutschland wirklich hinter uns. Von Rødby ging es durch Dänemark und über die Öresundbrücke nach Schweden.

Unser erster schwedischer Übernachtungsplatz lag bei Malmö, versteckt an einer kleinen Marina. Das Einchecken war etwas hakelig – Reisen wäre langweilig, wenn immer alles auf Anhieb funktionieren würde. Dafür war der Stellplatz großartig. Mit den Rädern ging es zum nahe gelegenen Italiener, später legte sich ein traumhafter Sonnenuntergang über den Hafen. Spätestens da war klar: Der Aufwand hatte sich gelohnt.

„Der erste perfekte Abend einer Reise beginnt manchmal mit einem unperfekten Check-in."

20.–21. Juli: Kristianstad, kleine Häfen und viel Küste

Wir folgten der südschwedischen Küste weiter Richtung Osten. Kristianstad war einer dieser Stopps, bei denen Stadt und Reisealltag ganz selbstverständlich ineinanderlaufen: ein Bummel durch die Straßen, ein Blick auf die Arena, ein rotes historisches Fahrzeug auf dem Platz – und danach wieder zurück zu unserem mobilen Zuhause am Wasser.

Campingplatz am Meer und Eindrücke aus Kristianstad
Kristianstad: Stadtbummel am Vormittag, Campingplatz am Meer am Abend.

Die Landschaft wurde ruhiger, das Wasser blieb fast immer in der Nähe. Kleine Häfen, Segelboote, lichte Kiefernwälder und Stellplätze, bei denen der Blick aus dem Camperfenster interessanter war als jedes Fernsehprogramm. Genau dafür hatten wir die Fahrräder dabei: nicht für sportliche Rekorde, sondern um vom Stellplatz aus noch eine Runde durch den Ort, zum Hafen oder an den Strand drehen zu können.

Camper auf einem sonnigen Campingplatz in Südschweden Hafen, Strand und Kiefernwald an der schwedischen Ostküste

22. Juli: Öland – Wind, Weite und der Lange Erik

Öland war einer der Tage, auf die wir uns besonders gefreut hatten. Schon die Fahrt auf die Insel verändert die Stimmung: weniger Wald, mehr Himmel, flache Landschaft und überall das Meer. Unser Ziel lag ganz im Norden beim Leuchtturm Långe Erik. Rund um die Nordspitze stapeln Besucher kleine Steintürme, dazwischen trotzen knorrige Bäume dem Wind. Der weiße Leuchtturm steht über allem wie ein Ausrufezeichen.

Steintürme, Meer und Leuchtturm Långe Erik auf Öland
Ölands Nordspitze: Långe Erik, Steinküste und sehr viel blauer Himmel.

Nach dem Rundgang ging es zurück aufs Festland und weiter nach Norden. Der Abend führte uns an die Küste nach Timmernabben. Ein schöner Stellplatz, Fahrräder durchs Dorf, Fisch im Restaurant und ein langer Abend draußen – viel mehr braucht es manchmal nicht. Das Licht blieb weich, die Gläser standen noch auf dem Tisch, und die Zeit spielte für ein paar Stunden keine Rolle.

Heidi und Andi beim Abendessen in Timmernabben
Timmernabben: Fisch, Wein und Abendsonne – einer dieser Abende, die eine Reise zusammenhalten.

23.–24. Juli: Västervik, Vimmerby und ein Abstecher nach Bullerbü

Am 23. Juli wachten wir mit Regen auf. Also erst einmal weiterfahren. Västervik erwies sich als wunderschöner Zwischenstopp, auch wenn das Wetter nicht nach langem Draußensitzen aussah. Wir parkten am Hafen – genauer gesagt auf einem Hotelparkplatz – und erkundeten den Ort zu Fuß. Danach ging es nach Vimmerby, mitten hinein in das Land von Astrid Lindgren.

Västervik, Vimmerby und die Astrid-Lindgren-Statue
Vimmerby: Hafenstadt, Astrid-Lindgren-Spuren und ein kostenloser Stellplatz in Laufnähe.

Vimmerby funktioniert nicht nur als touristischer Ort, sondern auch als echte kleine Stadt. Wir schlenderten durch das Zentrum, standen bei Astrid Lindgrens Elternhaus und setzten uns zur berühmten Statue der Schriftstellerin. Der kostenlose Stellplatz war asphaltiert und eher praktisch als romantisch – aber genau richtig, um morgens unkompliziert weiter nach Sevedstorp zu fahren.

Dort liegt das Vorbild für Bullerbü. Rote Holzhäuser, alte Scheunen, Zäune, Bäume und dieser besondere Mix aus Kindheitserinnerung und realem Bauernhof. Vieles wirkte vertraut, obwohl wir zum ersten Mal dort waren. Später hielten wir noch an den Wasserfällen von Storget, bevor die Route quer durch das Landesinnere Richtung Westküste führte.

Camper und rote Holzhäuser rund um Bullerbyn
Bullerbü: rote Häuser, Regen und Erinnerungen an Astrid Lindgrens Geschichten.

25.–27. Juli: Göteborg und die raue Schönheit der Westküste

Der 25. Juli begann mit einer kleinen Camperpanne der harmlosen Art: Die Milch war verdorben, der erste Kaffee damit gestrichen. Also nicht lange ärgern, sondern weiter nach Göteborg. Wir drehten eine Runde durch die Stadt und den Hafen, zwischen Segelschiffen und moderner Architektur. Göteborg fühlte sich großstädtisch an, blieb am Wasser aber erstaunlich entspannt.

Camperfrühstück, Hafen und Segelschiffe in Göteborg
Göteborg: Kaffee ohne Milch, dafür Hafenrundfahrt, Segelschiffe und viel Stadt am Wasser.

Danach ging es wieder hinaus aus der Stadt, südwärts zu einem Stellplatz an der Küste bei Vallda. Felsen, niedrige Vegetation, kleine Buchten und das Meer direkt vor der Tür – die schwedische Westküste zeigte sich deutlich rauer als die Ostseite. Das Wetter wechselte schnell. Sonnenfenster und dunkle Wolken lagen manchmal nur wenige Minuten auseinander.

Frühstück am Camper und Stellplatz an der felsigen Küste bei Vallda Felsen, Dünen und Camper an der schwedischen Westküste

Am 26. Juli wachten wir direkt am Meer auf und fuhren weiter Richtung Halmstad. Unser Platz für die Nacht lag frei am Nissan. Am folgenden Tag blieb die Küste unser roter Faden: Dünen, breite Strände, windzerzauste Vegetation und kleine Marinas. Keine spektakuläre Sehenswürdigkeit musste diesen Abschnitt tragen. Das Unterwegssein selbst reichte völlig.

Meerblick aus dem Camper und Landschaft bei Halmstad
Richtung Halmstad: morgens Meer vor der Scheibe, abends ein freier Stellplatz am Nissan.

28. Juli – 2. August: Malmö, Kopenhagen und langsam wieder Richtung Heimat

Gegen Ende der Reise schloss sich unsere Runde bei Malmö. In Klagshamn standen wir wieder an einer Marina, mit Blick auf die Öresundbrücke und regem Schiffsverkehr. Schwalben nisteten unter dem Dach, die Fahrräder warteten am Heck – eigentlich ein ruhiger Ort. Nur der Wind hatte andere Pläne.

Marina bei Malmö mit Öresundbrücke, Fähre und Schwalben
Klagshamn: noch einmal Meer, Marina und die Öresundbrücke am Horizont.

Nach einer sehr windigen Nacht gab mein Bett morgens um fünf Uhr auf. Zeit also, aufzustehen und weiterzufahren. Kopenhagen lag auf dem Rückweg, und die Fahrräder waren hier Gold wert: Camper abstellen, aufs Rad steigen und direkt hinein in die Stadt. Hafen, bunte Fassaden, Boote und das selbstverständliche Nebeneinander von Alltag und Fahrradverkehr – ein schöner Kontrast zu den ruhigen Tagen an der Küste.

Fahrräder am Camper, Kopenhagen und Bauernhof in der Lüneburger Heide
29. Juli: mit dem Rad nach Kopenhagen, danach Fähre und ein Bauernhof in der Lüneburger Heide.

Danach ging es über die Brücke und mit der Fähre weiter Richtung Deutschland. Am Abend fanden wir in der Lüneburger Heide einen Platz auf einem Bauernhof, direkt unter einem Birnbaum. Nach Häfen, Felsen und Meer war das Grün fast schon ein kleiner Szenenwechsel. Am 30. Juli führte uns die Route noch durch den Naturpark Lüneburger Heide. Die letzten Tage bis zum 2. August gehörten dem Heimweg und dem langsamen Ankommen.

Camper auf einem Bauernhof in der Lüneburger Heide
Lüneburger Heide: letzte Nacht unter einem Birnbaum – ruhiger hätte der Rückweg kaum enden können.

Was von dieser Reise bleibt

Schweden hat uns nicht mit einem einzigen großen Höhepunkt bekommen. Es war die Summe der kleinen Dinge: der erste Blick vom Fährdeck, das Licht in einer Marina, ein Kaffee vor dem Camper, ein Regenschauer in Vimmerby, Fahrräder am Hafen, Fisch am Abend und die Freiheit, den nächsten Stopp erst unterwegs festzulegen.

  • Camper: Die Mischung aus freien Stellplätzen und Campingplätzen war genau richtig.
  • Fahrräder: Für Kopenhagen, Häfen und kleine Orte waren sie unverzichtbar.
  • Küste: Ost und West fühlen sich unterschiedlich an – beide lohnen sich.
  • Tempo: Weniger vorplanen, öfter anhalten – so wurde aus einer Route unsere Reise.

Und vielleicht ist das das Schönste an einem Roadtrip: Am Ende erinnert man sich nicht an jede Straße. Aber man weiß noch ganz genau, wie es sich angefühlt hat, morgens die Schiebetür zu öffnen und nicht zu wissen, welcher Blick dahinter wartet. Hejdå, Sverige – wir kommen wieder.

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